Immunadsorption bei Post-COVID ME/CFS mit erhöhten β2-Adrenozeptor-Autoantikörpern
Originaltitel: Efficacy of repeated immunoadsorption in patients with post-COVID myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome and elevated β2-adrenergic receptor autoantibodies: a prospective cohort study
Stein E, Heindrich C, Wittke K, Kedor C, Scheibenbogen C, et al.
Lancet Regional Health Europe
10.1016/j.lanepe.2024.101163
Zusammenfassung
Prospektive Kohortenstudie der Charité (publiziert Dez 2024, Lancet Regional Health Europe): Immunadsorption reduzierte IgG um 79% und β2-Adrenozeptor-Autoantikörper um 77% bei 20 Post-COVID ME/CFS-Patienten. Verbesserung der körperlichen Funktion, aber Wirkung oft nicht dauerhaft.
Immunadsorption bei Long-COVID und Post-Vac
Hintergrund
Die Charité Berlin führt eine Studie zur Immunadsorption bei Long-COVID und Post-Vac-Patienten durch. Bei diesem Verfahren werden gezielt Autoantikörper aus dem Blut entfernt, die als mitverantwortlich für die anhaltenden Symptome gelten.
Das Konzept der Immunadsorption
Was ist Immunadsorption?
- Blutreinigungsverfahren ähnlich der Dialyse
- Selektive Entfernung von Autoantikörpern
- Zielstrukturen: β-adrenerge Rezeptor-Antikörper und andere GPCR-Autoantikörper
Warum Autoantikörper?
Bei 80-90% der Long-COVID- und Post-Vac-Patienten wurden Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) nachgewiesen. Diese können:
- Herzfrequenz und Blutdruck beeinflussen
- Gefäßfunktion stören
- Chronische Erschöpfung auslösen
Studiendesign
- Ort: Charité Berlin
- Status: Ergebnisse publiziert (Dezember 2024, Lancet Regional Health Europe)
- Teilnehmer: 20 Post-COVID ME/CFS-Patienten mit erhöhten β2-Adrenozeptor-Autoantikörpern
- Rekrutierung: Oktober 2022 bis Oktober 2023
- Primärer Endpunkt: Veränderung des SF-36 Physical Functioning Scores 4 Wochen nach Behandlung
- Behandlung: 5 Immunadsorptionssitzungen pro Zyklus
Ergebnisse
- IgG-Reduktion: 79% Abfall des Gesamt-IgG
- Autoantikörper-Reduktion: 77% Abfall der β2-Adrenozeptor-Autoantikörper
- Klinische Verbesserung: Verbesserung der körperlichen Funktion und Symptomatik bei einem Teil der Patienten
- Wirkdauer: Die Wirkung war bei einigen Patienten nicht dauerhaft – 7 Patienten, die nach initialem Ansprechen wieder schlechter wurden, erhielten einen zweiten Zyklus
- Verträglichkeit: Insgesamt gut verträglich
Limitationen
- Aufwendiges und teures Verfahren
- Wirkung oft zeitlich begrenzt
- Nicht für alle Patienten geeignet
HBO-Relevanz
Anmerkung: Die hyperbare Sauerstofftherapie verfolgt einen anderen Ansatz als die Immunadsorption. Während die Immunadsorption Autoantikörper entfernt, wirkt HBOT auf zellulärer Ebene:
- Mitochondriale Regeneration: Verbesserung der Energieproduktion
- Immunmodulation: Normalisierung der Immunantwort
- Geweberegeneration: Förderung von Heilungsprozessen
Beide Therapieansätze könnten sich ergänzen: Die Immunadsorption adressiert die Autoantikörper-Problematik, während HBOT die zugrundeliegende zelluläre Dysfunktion behandelt. Für Patienten, bei denen Immunadsorption nicht verfügbar oder nicht indiziert ist, könnte HBOT eine Alternative darstellen, die andere Wirkmechanismen bei Long-COVID adressiert.
Quelle
Stein E, Heindrich C, Wittke K, Kedor C, Scheibenbogen C, et al. Lancet Regional Health Europe. 2024;49:101163. DOI: 10.1016/j.lanepe.2024.101163
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