Zum Inhalt springen
Grundlagenforschung Long-Covid Review 2020

COVID-19-Hyperinflammation und Post-COVID könnten auf Mastzellaktivierungssyndrom beruhen

Originaltitel: Covid-19 hyperinflammation and post-Covid-19 illness may be rooted in mast cell activation syndrome

Autoren

Afrin LB, Weinstock LB, Molderings GJ

Journal

International Journal of Infectious Diseases

DOI

10.1016/j.ijid.2020.09.016

Zusammenfassung

Hypothesenpapier: Die COVID-19-Hyperinflammation und chronische Post-COVID-Beschwerden könnten auf einer vorbestehenden Mastzellaktivierungsstörung (MCAS) beruhen. Dysfunktionale Mastzellen reagieren atypisch auf SARS-CoV-2 und verursachen überschießende Zytokinfreisetzung. MCAS-gerichtete Therapien als möglicher Behandlungsansatz vorgeschlagen.


COVID-19-Hyperinflammation und Mastzellaktivierungssyndrom

Hintergrund

Dieses einflussreiche Hypothesenpapier von Afrin, Weinstock und Molderings war eine der ersten Arbeiten, die einen Zusammenhang zwischen dem Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) und der überschießenden Immunreaktion bei COVID-19 sowie den chronischen Beschwerden nach der Infektion herstellte.

Kernhypothese

Die Autoren argumentieren, dass die bei schweren COVID-19-Verläufen beobachteten Zytokinstürme nicht die normale Reaktion normaler Mastzellen darstellen, sondern eine atypische Reaktion bereits dysfunktionaler Mastzellen, wie sie bei MCAS vorkommen:

  1. MCAS als Prädisposition: Patienten mit vorbestehendem (oft undiagnostiziertem) MCAS könnten besonders anfällig für schwere COVID-19-Verläufe sein
  2. Mastzell-Hyperaktivierung: SARS-CoV-2 aktiviert Mastzellen über multiple Wege (ACE-2-Rezeptoren, Toll-like-Rezeptoren, Komplement-Kaskade)
  3. Zytokinfreisetzung: Die resultierende übermäßige Freisetzung von Histamin, Heparin, Tryptase, Prostaglandinen und Zytokinen erklärt die multisystemische Symptomatik

Verbindung zu Post-COVID

Die Autoren schlagen vor, dass chronische Post-COVID-Beschwerden durch eine anhaltende Mastzell-Dysregulation erklärt werden können:

  • Die Symptomüberlappung zwischen MCAS und Post-COVID ist auffallend
  • Fatigue, Brain Fog, Tachykardie, Magen-Darm-Beschwerden und Hautreaktionen treten bei beiden Zuständen auf
  • SARS-CoV-2 könnte eine latente MCAS-Erkrankung demaskieren oder verstärken

Therapeutische Implikationen

Die Autoren schlagen MCAS-gerichtete Therapien vor:

  • H1- und H2-Antihistaminika (z.B. Loratadin, Famotidin)
  • Mastzellstabilisatoren (z.B. Natriumcromoglycat, Ketotifen)
  • Leukotrienantagonisten (z.B. Montelukast)
  • Flavonoide (z.B. Quercetin, Luteolin) als natürliche Mastzellstabilisatoren

Bedeutung für Patienten

Dieses Papier legte den konzeptionellen Grundstein für die Erforschung des MCAS-Ansatzes bei Post-COVID. Es erklärt, warum Medikamente wie Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren bei einigen Long-COVID-Patienten Linderung bringen können. Nachfolgende Studien (Weinstock et al. 2021, Glynne et al. 2022) haben diese Hypothese mit klinischen Daten untermauert.

Es handelt sich um ein Hypothesenpapier ohne eigene klinische Daten. Die vorgeschlagenen Mechanismen sind plausibel, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht experimentell bestätigt worden.

Originalstudie lesen

Lesen Sie die vollständige wissenschaftliche Arbeit im Original auf der Journal-Website.

Zur Studie