Vibroakustische Musik und Symptomreduktion bei hospitalisierten Patienten
Originaltitel: The Effects of Vibroacoustic Music on Symptom Reduction
Patrick GJ
IEEE Engineering in Medicine and Biology Magazine
10.1109/51.752987
Zusammenfassung
Klinische Beobachtungsstudie (N=272, hospitalisierte Patienten mit unterschiedlichen Diagnosen) am National Institutes of Health: nach einer ca. 22-minütigen Sitzung mit vibroakustischer Musik berichteten Teilnehmende in Selbstauskunft eine Reduktion von Schmerz und weiteren Symptomen wie Anspannung, Erschöpfung und Übelkeit. Ohne Kontrollgruppe und mit rein subjektiven Angaben ist die Aussagekraft begrenzt.
Vibroakustische Musik und Symptomreduktion bei hospitalisierten Patienten
Hintergrund
Die vibroakustische Therapie – die Kombination von Musik mit niederfrequenten, körperlich spürbaren Schallschwingungen – geht auf den norwegischen Musiktherapeuten Olav Skille zurück, der das Verfahren in den 1980er-Jahren entwickelte. George Patrick, Leiter der Recreation Therapy am Rehabilitation Medicine Department des Clinical Center der National Institutes of Health (NIH), untersuchte den Einsatz vibroakustischer Musiksitzungen bei einer breiten Gruppe hospitalisierter Patient:innen mit unterschiedlichen Grunderkrankungen als ergänzendes Angebot im Klinikalltag.
Studiendesign
- Art: Klinische Beobachtungsstudie (keine RCT, keine Randomisierung)
- Population: 272 hospitalisierte Patient:innen mit diversen Diagnosen (u. a. onkologische, kardiologische, pulmologische und hämatologische Erkrankungen, Infektionskrankheiten, affektive Störungen und weitere)
- Intervention: Einzelsitzung mit vibroakustischer Musik, ca. 22 Minuten Dauer
- Kontrolle: Keine; Erhebung erfolgte prä-post per Selbstauskunft ohne Vergleichsgruppe
- Endpunkte: Selbstberichtete Veränderung von Schmerz und weiteren Symptomen (u. a. Anspannung, Erschöpfung, Kopfschmerz, Übelkeit)
Zentrale Ergebnisse
- Über das Patientenkollektiv hinweg wurde in Selbstauskunft eine kumulative Reduktion von Schmerz und begleitenden Symptomen um rund 53 % nach der Sitzung berichtet
- Zusätzlich wurden Rückgänge bei Anspannung, Erschöpfung, Kopfschmerz und Übelkeit angegeben
Klinische Bedeutung
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine vibroakustische Musiksitzung von hospitalisierten Patient:innen mit unterschiedlichen Diagnosen subjektiv als kurzfristig symptomlindernd wahrgenommen werden kann. Angesichts des unkontrollierten Beobachtungsdesigns eignet sich die Arbeit vor allem als früher Hinweis auf ein mögliches ergänzendes Entspannungsangebot, nicht als Wirksamkeitsnachweis.
Limitationen
- Kein Kontrollgruppe, keine Randomisierung — Erwartungs-, Aufmerksamkeits- und Placeboeffekte nicht auszuschließen
- Rein subjektive Selbstauskunft — keine objektiven oder blind erhobenen Messwerte
- Sehr heterogene Population — unterschiedlichste Diagnosen erschweren die Einordnung, für welche Indikation der Effekt gilt
- Keine Nachbeobachtung — nur unmittelbare Effekte nach einer Einzelsitzung erfasst, keine Aussage zu Langzeitwirkung
- Kein spezifisches Gerät untersucht — Gegenstand ist vibroakustische Musik allgemein, keine Bewertung eines bestimmten kommerziellen Wellness-Geräts; aus den Ergebnissen lässt sich keine geräteseitige Wirksamkeitsaussage ableiten
Originalstudie lesen
Lesen Sie die vollständige wissenschaftliche Arbeit im Original auf der Journal-Website.
Originalstudie lesen