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Grundlagenforschung Long-Covid Grundlagenforschung 2025

Spike-Protein lagert sich bis zu vier Jahre nach Infektion in Hirnhäuten und Schädelknochenmark ab

Originaltitel: SARS-CoV-2 Spike Protein Accumulation in Brain Meninges and Skull Bone Marrow Associated with Long-Lasting Brain Effects

Autoren

Ertürk AM et al. (Helmholtz Munich / LMU München)

Journal

Preprint / in Review (Helmholtz Munich)

Zusammenfassung

Studie von Helmholtz Munich und LMU München untersucht die Persistenz von SARS-CoV-2 Spike-Protein in Hirnhäuten (Meningen) und Schädelknochenmark. Nachgewiesen wurden Ablagerungen bis zu vier Jahre nach Infektion. mRNA-Impfungen (BioNTech/Pfizer) reduzierten die Anreicherung in Hirnarealen um ca. 50 %, verhinderten sie jedoch nicht vollständig. Die Autoren diskutieren einen möglichen Zusammenhang mit chronischen Entzündungsprozessen und neurologischen Symptomen bei Long-COVID. Ergebnisse basieren teilweise auf Mausmodellen und Humangewebe; Kausalität noch nicht abschließend belegt.


Spike-Protein-Persistenz in Hirnhäuten und Schädelknochenmark nach SARS-CoV-2-Infektion

Hintergrund

Warum anhaltende neurologische Symptome wie Brain Fog und Fatigue bei Long-COVID auftreten, ist noch nicht vollständig verstanden. Eine Hypothese: SARS-CoV-2-Spike-Protein verbleibt im Gewebe und unterhält chronische Entzündungsprozesse. Die Forschungsgruppe von Prof. Ali Ertürk (Helmholtz Munich / LMU München) untersuchte mit KI-gestützter optischer Bildgebung, ob und wo Spike-Protein nach Infektion im Gehirn und angrenzenden Strukturen nachweisbar bleibt.

Studiendesign

  • Art: Grundlagenstudie (Kombination aus Tiermodell und humanem Post-mortem-Gewebe)
  • Methode: KI-gestützte optische Bildgebung (3D-Gewebsanalyse), Immunfluoreszenz
  • Untersuchte Strukturen: Hirnhäute (Meningen), Schädelknochenmark, Hirnparenchym
  • Vergleich: Geimpfte vs. ungeimpfte Infizierte; Geimpfte ohne Infektion

Zentrale Ergebnisse

  • Spike-Protein wurde in Hirnhäuten und Schädelknochenmark bis zu vier Jahre nach SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen
  • Die hohe Dichte an ACE2-Rezeptoren in den Meningen begünstigt die Anreicherung
  • Spike-Protein allein (ohne replikationsfähiges Virus) reichte aus, um in Mausmodellen Neuroinflammation auszulösen
  • mRNA-Impfung (BioNTech/Pfizer) reduzierte die Spike-Protein-Anreicherung im Gehirn um ca. 50 % im Vergleich zu ungeimpften Infizierten — verhinderte sie jedoch nicht vollständig

Klinische Bedeutung

Die Befunde liefern einen möglichen anatomischen Erklärungsansatz für neurologische Long-COVID-Symptome: Spike-Protein in den Meningen könnte über lokale Entzündungsmechanismen zu Brain Fog, Kopfschmerzen und Fatigue beitragen. Die Reduktion durch Impfung deutet auf einen schützenden Effekt hin, der jedoch quantitativ begrenzt ist.

Limitationen

  • Erhebliche Teile der Studie basieren auf Mausmodellen — Übertragbarkeit auf den Menschen ist nicht gesichert
  • Post-mortem-Humangewebe: Stichprobe klein, Selektion unklar
  • Kausalbeziehung zwischen Spike-Protein-Persistenz und klinischen Symptomen nicht belegt
  • Preprint-Status zum Zeitpunkt der Meldung: peer-reviewte Publikation steht aus

Originalstudie lesen

Lesen Sie die vollständige wissenschaftliche Arbeit im Original auf der Journal-Website.

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