Chronische Wundheilung
HBOT und CO₂-Trockenbad bei Wundheilungsstörungen und diabetischem Fußsyndrom — individuell geplant nach ärztlichem Gespräch
Wenn Wunden nicht abheilen
Nach medizinischer Definition gilt eine Wunde als chronisch, wenn sie trotz leitliniengerechter Behandlung nach mehr als zwölf Wochen nicht geschlossen ist. In der Praxis werden oft schon früher spezialisierte Verfahren in Betracht gezogen.
Hinter chronischen Wunden steht fast immer ein Versorgungsproblem: Das betroffene Gewebe erhält nicht genug Sauerstoff, um Reparaturprozesse in Gang zu halten. Ursachen können Gefäßerkrankungen, Diabetes, immunologische Faktoren oder Folgen chirurgischer Eingriffe sein.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit
Verengungen in den Beingefäßen drosseln die Durchblutung — Wunden an Fuß und Unterschenkel heilen ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr nicht ab
Diabetische Neuropathie & Angiopathie
Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt sowohl Nerven als auch Gefäße — Verletzungen werden spät bemerkt, die Gewebedurchblutung ist eingeschränkt
Postoperative Wundheilungsstörungen
Besonders nach Eingriffen an gefäßversorgungsarmen Arealen oder bei immunsupprimierten Patienten können Wunden über Monate offen bleiben
Venöse Insuffizienz & Stauungsulzera
Chronischer venöser Rückstau erhöht den Gewebedruck, verringert den Sauerstoffgehalt im Interstitium und begünstigt offene Ulzera
Diabetisches Fußsyndrom
Diabetes mellitus ist in Deutschland die häufigste Einzelursache für Amputationen unterhalb der Knieebene, die nicht auf Unfälle zurückgehen. Rund 7 % der Betroffenen entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung chronische Fußwunden — oft ausgelöst durch eine Bagatellverletzung, die unbemerkt bleibt.
Der Schweregrad wird klinisch nach der Wagner-Klassifikation eingestuft. Ab Wagner II — also tiefer Infektion mit möglicher Sehnen- oder Knochenbeteiligung — ist die Wundversorgung besonders komplex. Wenn eine standardisierte Wundbehandlung über mindestens 30 Tage keinen ausreichenden Fortschritt zeigt, kann HBOT als ergänzendes Verfahren in Betracht gezogen werden.
S3-Leitlinie: HBOT beim diabetischen Fußsyndrom
Die AWMF S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden (Reg.-Nr. 091-001, aktualisiert 2023) empfiehlt HBOT als ergänzende Behandlungsoption beim diabetischen Fußsyndrom — bei amputationsbedrohender Situation, wenn Revaskularisationsmaßnahmen ausgeschöpft sind. Metaanalysen, auf die sich die Leitlinie stützt, zeigen eine Reduktion des Major-Amputationsrisikos (NNT ca. 4).
Hinweis zur Kostenübernahme
Das Bundessozialgericht hat 2017 geurteilt, dass gesetzliche Krankenkassen HBOT beim diabetischen Fußsyndrom unter definierten Voraussetzungen erstatten müssen. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten in der Regel auf GOÄ-Basis. Wir besprechen die individuelle Situation im Erstgespräch.
GKV, PKV, Beihilfe — alle Optionen im ÜberblickSauerstoff als Voraussetzung
Wundheilung ist ein sauerstoffabhängiger Prozess. Drei der zentralen Phasen — Entzündungsreaktion, Gewebeaufbau und Reifung — kommen ohne ausreichende O₂-Versorgung nicht oder nur unvollständig in Gang. HBOT adressiert genau diesen Engpass.
Sauerstoff und das Immunsystem
Neutrophile Granulozyten — die ersten Abwehrzellen im Wundbereich — benötigen Sauerstoff für ihre bakterizide Aktivität. In schlecht versorgtem Gewebe ist diese Funktion eingeschränkt; die physikalische Lösung von O₂ im Plasma unter Überdruck kann diese Lücke teilweise schließen.
Gefäßneubildung an der Wundgrenze
Neue Kapillaren wachsen von gut durchblutetem Gewebe in die Wunde ein — ein Prozess (Angiogenese), der nach aktuellem Forschungsstand einen bestimmten Sauerstoffgradienten voraussetzt. HBOT als Einflussfaktor auf diesen Gradienten ist Gegenstand klinischer Studien.
CO₂-Trockenbad als ergänzendes Verfahren
Neben HBOT setzen wir bei Wundheilungsstörungen das CO₂-Trockenbad ein. Transkutanes Kohlendioxid beeinflusst die Hautmikrozirkulation — in einer RCT von Finžgar et al. (2021) wurde dieser Effekt bei diabetischen Fußulzera erstmals kontrolliert untersucht.
Aktuelle Studienlage
Chronische Wunden gehören zu den am besten untersuchten HBOT-Indikationen. Ausgewählte Arbeiten aus unserer verifizierten Studiendatenbank:
Wirkungen der CO₂-Therapie auf die Wundheilung der Haut: Scoping-Review
Scoping-Review (22 Studien): CO₂-Therapie (Bäder, Injektionen, transkutane Anwendung) wird bei Hautulzera und chronischen Wunden untersucht. Als berichtete Wirkmechanismen gelten verbesserte Durchblutung, Entzündungsmodulation, gesteigerte Kollagensynthese und Wundheilung. Autoren sehen Bedarf an weiteren RCTs.
HBOT bei Strahlenspätfolgen nach Brustkrebs: Randomisierte klinische Studie (HONEY)
RCT bei 189 Patientinnen mit Strahlenspätfolgen nach Brustkrebs. ITT-Analyse: Fibrose signifikant verbessert, Schmerzen nicht signifikant. Bei Completer-Analyse beide Endpunkte signifikant.
Transkutane CO₂-Anwendung bei diabetischen Fußulzera: Wirkung auf mikrovaskuläre Funktion
RCT (42 Patienten mit diabetischen Fußulzera, 4 Wochen): Transkutane CO₂-Anwendung (Trockenbad) vs. Placebo-Luft. Die Behandlungsgruppe zeigte signifikante Verbesserungen endothelialer und neurogener Hautmikrozirkulationsparameter. Erste RCT-Evidenz für CO₂-Trockenbad bei diabetischer Wundheilung.
Ablauf & Vorgehen
- 1
Ärztliches Erstgespräch
Dr. Treise bespricht Wundbefund, Grunderkrankungen und bisherige Behandlungen. Bei diabetischem Fußsyndrom wird geprüft, ob Wagner-Stadium und Vorbehandlungsdauer die Voraussetzungen für HBOT erfüllen.
- 2
Gewebediagnostik
Eine transkutane Sauerstoffpartialdruckmessung (TcpO₂) gibt Aufschluss darüber, ob das Gewebe im Wundbereich für eine Sauerstofftherapie zugänglich ist — und hilft, den Therapieerfolg im Verlauf zu beurteilen.
- 3
Therapieprogramm
HBOT und CO₂-Trockenbad werden individuell kombiniert, in der Regel über mehrere Wochen täglich. Patienten, die von weiter anreisen, können direkt im Schloss übernachten.
- 4
Verlaufskontrolle
Wundstatus und Oxygenierung werden engmaschig dokumentiert. Nikotinkarenz ist wichtig — Nikotin verengt die Kapillaren und schränkt den Sauerstofftransport ins Gewebe spürbar ein.
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